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Autor: Sibilla Pelke
erschienen: 16.01.2008
Herausgeber: Elraanis Verlag
 

Wenn ein alter Mensch stirbt, verbrennt eine Bibliothek

Alles was Sie im Kopf haben

Nehmen Sie Stift und Papier, und schreiben Sie alles auf, was Sie „im Kopf“ haben, an was Sie sich erinnern: Kindheit, Schule, Ausbildungen, Menschen, die Sie in Ihrem Leben kennen gelernt haben, den Inhalt von Büchern, Filmen, Radiosendungen, Filmen; beschreiben Sie Tätigkeiten, die Sie beherrschen. Fachwissen, Lebenswissen, Hobbywissen, Fremdsprachen, Gebete, Lieder, Ihr Wissen über Geburt, Kindererziehung, Ehe, Haushalt, Politik, Religionen, Geschichte, Gesundheit, fremde Länder, was Sie im Lichtfokus erfahren haben usw., usw. ... Allerdings sollten Sie sich Zeit nehmen. Denn selbst, wenn Sie jeden Tag 24 Stunden schreiben, benötigen Sie schätzungsweise 2000 Jahre, um alles, was in Ihren Gehirnzellen abgespeichert ist, zu Papier zu bringen. Natürlich kann man nicht 24 Stunden lang schreiben. Rechnen Sie selber aus, wie viele Jahre Sie brauchen, wenn Sie, sagen wir, vier Stunden jeden Tag schreiben. Die totale Informationsmenge, die in Ihrem Gehirn gespeichert ist, würde, ausgedruckt, 20 Millionen Buchbände füllen. Es gibt einen afrikanischen Spruch: „Wenn ein alter Mensch stirbt, verbrennt eine Bibliothek.“

Das menschliche Gehirn ist das komplizierteste System im Kosmos, das wir kennen. Obwohl die moderne Hirnforschung schnelle Fortschritte macht und in den letzten Jahrzehnten so manche Mythen nicht zuletzt auch über das Gehirn im Alter als solche entlarvt hat, steckt sie immer noch in den Kinderschuhen. Ausgerechnet das Organ, mit dem wir zu geistigen Wesen wurden, ist vergleichsweise am wenigsten erforscht und nur zu einem Bruchteil begriffen.


Fakten haben ihre eigene Mystik

Das menschliche Gehirn besteht eigentlich aus drei Gehirnen. Darin spiegelt sich die Geschichte der Menschheitsentwicklung und unsere tatsächliche Verwandtschaft mit allen Lebewesen. Der evolutionsgeschichtlich älteste Teil ist das Reptiliengehirn (Kleinhirn) hinter dem untersten Teil der
Schädeldecke, in dem unsere „primitiven“ Impulse „Angriff“ und/oder „Flucht“ entstehen. In der Mitte des Kopfes befindet sich unser „Säugetiergehirn“ (Mittelhirn), das Gefühlszentrum. Der entwicklungsgeschichtlich jüngste Teil ist die Großhirnrinde (Cortex), unsere „Denkregion.

Die Großhirnrinde gleicht einer Walnussschale. Überhaupt zeigen mit dem Elektronenmikroskop aufgenommene, farbige Bilder vom Inneren unseres Kopfes wunderschöne florale Muster, die man auch draußen in der Pflanzenwelt findet oder im tiefen Meer.

Würde man die Großhirnrinde, unsere Denkregion, diese vielfach gefältete Schicht unmittelbar unter der knöchernen Schale unseres Kopfes ausbreiten, hätte man nur einen halben Quadratmeter Fläche, die sich als 2 bis 3 mm dicke rosagraue Schwabbelmasse gibt. Sie wiegt 13OO bis 15OO Gramm und macht nur zwei Prozent unseres Körpergewichtes aus. Sie besteht aus den Hirnnervenzellen – das Gehirn ist ein Teil des Zentralnervensystems – den Neuronen, die alle durch hochspezialisierte Schaltstellen, die Synapsen, miteinander kommunizieren. Zum Beispiel haben Synapsen die Aufgabe, bei Anwesenheit von Stresshormonen im Blut das freifließende Denken zu behindern zugunsten „automatischer“ Reaktionen, wie Flucht oder Angriff bei drohender Gefahr – oder umgekehrt: Denkblockaden aufzuheben im Entspannungszustand.

Die Neuronen, die Hirnzellen, vollbringen etwas ganz Faszinierendes: Sie bilden Zellfortsätze, stülpen sich aus und „spinnen“ Proteinfäden zwischen den Zellen. Da gibt es Zuleitungsdrähte“ (Axone) und Empfangsdrähte“ (Dendriten). Im Laufe eines Lebens entsteht so ein am Ende fast undurchdringlich dichtes Netz von diesen fadenartigen Eiweißkörpern, die man, wenn auch etwas vereinfacht ausgedrückt, als die eigentlichen „Intelligenzstraßen“ betrachten kann. Es kommt nämlich nicht in erster Linie auf die Anzahl der Hirnzellen an, sondern auf die Dichte des Netzes von Axonen und Dendriten. Wie dicht es auch im Alter ist, bestimmen wir zu einem guten Teil selbst (Krankheit und organische Hirnschäden immer
ausgenommen), wenn man auch sagen muss, dass mehrere Faktoren dabei mitspielen: die Gene, die Umwelt, das Lebensschicksal. Es ist offenbar so, dass geistige Anreize die Hirnzellen auffordern, neues „Zellgarn“ zu „spinnen“, und dass bei geistiger Untätigkeit die Proteinfäden wegen Nichtgebrauch „eingezogen“ werden. Das gesamte Gehirn kann auch im Alter noch wachsen und somit unsere Intelligenz wie auch unsere Kreativität. Und da wir nicht wissen, wie weit und in welcher Weise unser Gehirn bei der „Erkenntnis der geistigen Welten“ (Rudolf Steiner) beteiligt ist, dürfen wir es weder abwerten noch, was an uns selbst liegt, verkümmern lassen.

Die Maße in unserem Kopf sind so unvorstellbar klein und die Zahlenverhältnisse so unvorstellbar groß, dass man Vergleiche zu Hilfe nehmen muss, um sich ein Bild machen – und ehrfürchtig staunen zu können. Die Zahl der Hirnzellen wird heute auf 100 Milliarden geschätzt. Das ist eine 1 mit 11 Nullen! Die Zahl ist hochgerechnet, weil ein Menschenleben nicht ausreicht, um die Neuronen auch nur eines einzigen menschlichen Gehirns zu Ende zu zählen. Würde jemand täglich acht Stunden Hirnzellen zählen, 2 Zellen pro Sekunde, dauerte die Zählerei 4500 Jahre.

Ein Neuron hat einen Zellkörper von 5 –100 Tausendstel Millimeter. Eine Synapse (Schaltstelle) ist 20 Nanomillimeter breit, das sind 20 Milliardstel Millimeter. Die Zahl der Synapsen wird zwischen 20 und 200 Billionen vermutet, eine 1 mit 14 Nullen. Ein Kubikmillimeter Großhirnrinde, also ein Würfel von nur 1 mm Kantenlänge, die Größe eines Zuckerkrümels vielleicht, enthält circa 100 Millionen Schaltstellen (Synapsen) mit zugehörigen Faserverbindungen. Die Axone und Dendriten können sich fast bis ins Unendliche verästeln und verzweigen. Aneinandergeklebt ergeben sie eine Strecke von 500.000 Kilometern. Das ist mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond.

Würde man die Schädeldecke abheben, könnte man sehen, dass die Großhirnrinde, der Cortex, zweigeteilt ist, wirklich ähnlich der Walnuss. Es gibt ein rechtes Halbhirn und ein linkes, die, wenn man es so ausdrücken darf, in unterschiedlichen „Stilen“ denken. Bis in die 1990-er Jahre wurde mit der sogenannten „Hemisphärentheorie“ gearbeitet: Sie sagt auf ein paar einfache Formeln gebracht: Links ist das logisch-abstrakte Denken zuhause, „das mathematische“, rechts das intuitive. Das ist aber nicht im Sinne anatomisch bedingter, starrer Getrenntheit zu verstehen, sondern als Funktionen mit verschiedener Ausrichtung. Wir sind insgesamt viel zu formbar, als dass irgendwo in unserem Körper abgetrennte Abteilungen anzunehmen wären. Unsere Zellen sind allesamt holistisch, das heißt, jede Körperzelle weiß, was in allen anderen vor sich geht, und wie die Rehabilitation nach Schlaganfällen beweist, sind bei Zerstörungen von Hirngewebe Zellverbände der rechten Hemisphäre in der Lage, die Aufgaben von der linken zu übernehmen und umgekehrt.

Die Neurowissenschaft hat die Gültigkeit der „Hirnhälften-Theorie“ infolge neuer Erkenntnisse inzwischen relativiert und erweitert. Aber in der Praxis, etwa der Pädagogik, der Psychologie, der Therapie, der Kunst, in manchen Bereichen der Wirtschaftswissenschaft, kann man mit dem Modell nach wie vor gut arbeiten. Es ist auch für die Meditationspraxis brauchbar. Allerdings kursieren unter spirituellen Menschen ein paar beliebte Irrtümer. Es ist falsch, dass die rechte „Hirnhälfte“ die eigentlich kreative ist, der Künstler, der Mystiker, und die linke „nur“ der dumme „Verstand“, der Fachidiot sozusagen, der Schwätzer, der einen immer beim Meditieren stört! Sowohl zur Intelligenz wie zur Kreativität braucht es beide Denkstile. Das beweist schon alleine die Tatsache, dass in der linken „Hirnhälfte“ das Sprach- und Sprechvermögen seinen Schwerpunkt hat. Gedichte jedenfalls und Gebilde wie, sagen wir – der LICHTFOKUS – können nur mit dem ganzen Gehirn gemacht werden. Ebenso auch Wissenschaft, die nicht nur Logik, sondern vor allem auch Phantasie braucht – „selbst“ die Mathematik.


Das Gehirn kann auch im Alter noch wachsen

Wir Alten sind noch in der Meinung groß geworden, dass etwa ab 30 Jahren täglich Tausende von Hirnzellen absterben und keine neuen gebildet werden, weil Neuronen sich nicht teilen wie andere Körperzellen. Und so ließen mit zunehmendem Alter unsere geistigen Fähigkeiten eben ganz natürlich nach.

Dann horchten wir erfreut auf, als wir in den 1960-er Jahren erfuhren, das Gehirn sei trainierbar bis ins hohe Alter, es schrumpfe nicht, sondern könne noch wachsen – wenn es herausgefordert werde. Ich berichtete in meinen Vorträgen über „Das Gehirn im Alter“ von den faszinierenden wissenschaftlichen Versuchen vor allem in den USA mit verschiedenen Säugetieren, von denen die einen in eine Umgebung gebracht wurden, die ihnen viele Anreize zu Bewegung, Erfahrungen und Lernen bot, und die anderen Versuchstiere kamen in eine reizarme, beengte, langweilige Lebenswelt. Anschließend wurden die Gehirne untersucht. Es zeigte sich, dass etwa Ratten (die sehr intelligente und lernfähige Tiere sind), in einer reizreichen Umgebung an Hirngewicht, Größe der Neuronen, Zahl der Synapsen, Dichte der Axone und Dendriten zugelegt hatten, und auch die Glia, das Nähr- und Stützgewebe war umfangreicher geworden. Selbst bei den Seniorenratten zeigte sich dieses allgemeine Hirnwachstum. Bei den Tieren in der reizarmen Umgebung war das Gehirn geschrumpft. Und so habe ich als engagierte Erwachsenen-Pädagogin meine älteren Zuhörer mit der damals aufgekommenen Devise herausgefordert: „Use it or loose it!“ – „Gebrauche es oder verliere es!“ Vielleicht habe ich manche auch einfach erschreckt. Nicht alle wirkten glücklich bei der Aussicht, über das Lösen von Kreuzworträtseln hinaus echte Kopfarbeit zu leisten und „lebenslang zu lernen“.

Geistige und natürlich auch körperliche Beweglichkeit gehören bis heute zu den Rezepten „erfolgreichen Alterns“. Aufgeschlossenheit, Herausforderungen bewältigen, Neues lernen, in jeder Hinsicht aktiv sein haben vielfältige Konsequenzen für die Biochemie und sogar Anatomie des Gehirns; wir können es formen, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad. Wir wissen heute, dass das erwachsene Gehirn in zwei privilegierten Hirnregionen sogar neue Nervenzellen bildet und sowohl körperliche als auch kognitive Aktivität die Neubildung von Neuronen fördern. Aktivität ist nach medizinischer Aussage auch immer noch die beste Vorbeugung gegen Demenz und Alzheimer, wenn auch keine absolute Garantie.

Auch hier sind die Denkmodelle der Neurologie inzwischen differenzierter geworden, und der Überbetonung von „Gehirnjogging“, also Formung des Gehirns von außen, ist die Erkenntnis gefolgt, dass die Hirnaktivität auch unabhängig von Umwelteinflüssen ihre eigenen Rhythmen hat, dass es also sozusagen auch in sich weiß, was es will, und dass auch bei Lernvorgängen selbständige (autonome) innere Prozesse ablaufen. Zum Beispiel findet in einem Nervenzellen-Netzwerk ein Phasenwechsel zwischen „Schreiben“ und „Lesen“ statt, und somit verschränken sich diese beiden geistigen Tätigkeiten (1). Nach wie vor ist für die Formung des Gehirns die Umwelt wichtig, aber es hat auch eine eigene Innenwelt. Eine Mutter etwa hat eine neue Fähigkeit gewonnen, die sie nicht zu lernen brauchte. Sie hat eine „selektive“ (spezielle) Aufmerksamkeit auch im Schlaf: Sie überhört den Lärm des landenden Flugzeugs, reagiert aber auf das Wimmern ihres Kindes im Nebenzimmer (S. 46). Das alles zeigt uns, wie faszinierend, „weise“, ja fast „mysteriös“ unser Gehirn beschaffen ist und dass man es nicht festlegen und nicht beurteilen kann; es zeigt sich immer wieder von einer neuen Seite (S. 45 f.).

Das Bild des Alters hat sich tatsächlich verändert. Es gibt so eine Art gerontologische Aufbruchstimmung. Besonders die sogenannten „jungen Alten“, aber auch die Älteren und viele ganz Alte zeigen allgemein eine Steigerung von Lebensmut, von Kühnheit und Kompetenz. Es gibt alte Menschen (1), die nie für möglich gehaltene Leistungen vollbringen wie etwa der 92-jährige Inder Fauja Singh in Toronto, der am 28. September 2003 den Weltrekord für den ältesten Marathonläufer aufstellte, nämlich 5 Stunden und
40 Minuten (S. 35). An der englischen Brunel University machte 2004 der Vikar der Anglikanischen Kirche, Edgar Dowse, mit 93 Jahren als bislang ältester Mensch seinen Doktor (S. 37). Es ist allerdings immer noch so, dass das Alter spezifische Verluste mit sich bringt, das soll nicht verschwiegen werden, etwas bei den Sinnesorganen, den Gelenken und im hohen Alter durchaus auch an geistiger Beweglichkeit, vor allem, wenn das Gehirn nicht in jungen Jahren bereits geschult wurde. Und ein andere wissenschaftlich
erwiesene Tatsache, die gewiss unseren täglichen Erfahrungen entspricht: Leistungen im Alter „kosten“ mehr. Es gibt alte Menschen, die genau solche Hochleistungen erbringen können wie junge und sich noch manchmal selber übertreffen, aber – sie verbrauchen mehr an Kraft und brauchen länger, um sich zu regenerieren. Wie die Entwicklung weitergeht, wissen wir nicht.



Und was hat das alles mit Spiritualität zu tun?

Es war Einstein, der feststellte, wir benutzen nur 4 bis 10 Prozent unserer tatsächlichen Gehirnkapazität. Ich habe seit Anfang der 1980-er Jahre nach dem ganzheitlichen und „gehirngerechten“ Pädagogik-Konzept des bulgarischen Neurologen, Psychologen und Psychotherapeuten Prof. Dr. med. Gheorgi Lozanow (Sofia, Jg. 1925) mit Kindern Jugendlichen und Erwachsenen gearbeitet, der sogenannten „Suggestopädie“, amerikanisch
„Superlearning“. Lozanow hatte in jahrelanger Forschungsarbeit herausgefunden, dass wir unsere geistigen Potenziale keinesfalls durch Pauken, sondern durch Einbeziehung von Tiefenentspannung, Musik, künstlerisch-spielerischem Lernklima und Lehrern mit spiritueller Grundeinstellung entfalten. Es hat Prof. Lozanow nie in Ruhe gelassen zu wissen, dass der größte Teil unseres phantastischen Gehirns brachliegt. Es ist interessant, dass gerade in den Ostblockstaaten, hinter dem damaligen „Eisernen Vorhang“, eine Menge staatlicher Gelder in die Erforschung von Gehirnkapazitäten und deren Erweiterung geflossen sind, allerdings vorwiegend zu militaristischen Zwecken, z. B. ob und wie man telepathisch mit U-Booten kommunizieren kann – aber eben nicht nur.

Uns betrifft die Frage, wozu die 90 bis 96 Prozent unserer ungenutzten Hirnkapazitäten da sind, auf einer höheren Ebene. Zur Zeit können wir nur Vermutungen darüber anstellen. Warten in diesen unerforschten Gewölben unseres Kopfes unsere medialen und visionären Fähigkeiten darauf, aktiviert zu werden? Geschieht dies nach dem angekündigten „Quantensprung“ des
menschlichen Bewusstseins?

Wer von Ihnen hat eigentlich schon einmal mit seinem Gehirn gesprochen? In der Tat ist das Gehirn die Körperregion, deren wir uns am wenigsten bewusst sind, ganz abgesehen davon, dass sie auch die unbekannteste ist. Ist das nicht merkwürdig?

Als ich noch mehr in meiner „Praxis für Sanftes Lernen“ als schriftstellerisch tätig war, habe ich mit vielen Klienten, auch Kindern, eine unvergleichliche Übung zur „Synchronisation der beiden Gehirnhälften“ gemacht. Ich stellte die Übung nach Texten aus den in der New-Age-Bewegung sehr geschätzten Büchern der Bewusstseinsforscher Jean Houston (2) und Robert Masters (3) zusammen. Man macht bei geschlossenen Augen, entspannt, aber ohne Musik, eine Art Erkundungsreise in das Innere des eigenen Kopfes, um sich dort als Schöpfer zu erfahren. Man experimentiert mit Zahlen, geometrischen Mustern, Sinneserlebnissen, Bilderfolgen, erschafft Galaxien, lässt zwei ganz verschiedene Szenen in den beiden Hirnhälften gleichzeitig ablaufen, dreht seine Augen im Geiste um, um von vorne nach hinten in den Kopf zu sehen usw.. Und bekommt dabei vielleicht zum erstenmal eine Ahnung davon, was für ein Wunderwerk sich da oben unter der Schädeldecke befindet. Am Schluss steht dann ein lautloses Zwiegespräch des Übenden mit seinem Gehirn. Er sagt ihm, was er sich von ihm wünscht und hört zu, was das Gehirn sich von seinem Besitzer wünscht. Und dass beide von nun an eine innige, freundschaftliche Beziehung miteinander pflegen wollen. Die Übung ist sehr intensiv und erweitert das Bewusstsein schon beim ersten Mal (2). Sie dauert, je nach dem, ob man den ganzen oder vor allem bei Kindern einen gekürzten Text nimmt, eine halbe bis eine Stunde.


Hier eine Textprobe aus der Übung:

Versuchen Sie, mit beiden Augen horizontale Kreise zu zeichnen, genau in Höhe Ihrer Augen, und kreisen Sie so weit wie möglich in das Innere Ihres Kopfes. Versuchen Sie dann, kleinere horizontale Kreise zu ziehen in der Höhe Ihrer Augen. Ziehen Sie kleinere
Kreise...und kleinere...und kleinere, bis Sie in den Raum hinabgelangen, der zu klein ist zum Kreisen. Sie werden dann den Wunsch haben, sich an diesen Punkt zu heften, und versuchen, ihn festzuhalten. Während Sie dies tun, atmen Sie weiterhin frei, die Muskeln sind dabei entspannt. Wenn Sie den Punkt verloren haben, ziehen Sie weitere große Kreise, lassen Sie sie kleiner und kleiner werden, bis Sie auf einen Punkt zurückkommen und bleiben Sie so lange an diesen Punkt geheftet, wie Sie es ohne Anstrengung können.

(Das inwendige Kreisen und das Festhalten an einem Punkt ist für sich allein schon eine ausgezeichnete Meditationsübung.)

Ruhen Sie sich einen Augenblick aus. Stellen Sie sich dann inmitten Ihrer Stirn eine riesige Sonnenblume vor. Löschen Sie dann die Sonnenblume wieder aus.

Stellen Sie sich gleichzeitig eine Sonnenblume auf der linken und grünes feuchtes Moos auf der rechten Seite vor. Lassen Sie sie wieder verschwinden.

Stellen Sie sich vor, ein großer Baum wachse genau inmitten Ihrer Stirn.

Lassen Sie ihn verblassen, und stellen Sie sich eine goldene Harfe auf der linken Seite vor und ein klein wenig rechts von der Harfe eine Pauke. Versuchen Sie zu hören, wie sie zusammen spielen.

Lassen Sie sie verschwinden, und stellen Sie sich auf der linken Seite einen Adler vor und auf der rechten einen Kanarienvogel, beide zusammen zur gleichen Zeit. Lassen Sie sie jetzt verschwinden, und stellen Sie sich den Kanarienvogel nun links und den Adler rechts vor.

Lassen Sie sie verschwinden und stellen Sie sich zwei Adler auf der linken und zwei Kanarienvögel auf der rechten Seite vor. Lassen Sie sie verschwimmen.

Atmen Sie leicht ein und aus, und wenn Sie glauben, Ihre Haltung verändern zu müssen, damit Sie bequemer sitzen, tun Sie es. (S. 118 f.


Kopf und Herz

Es gibt keinen Wertunterschied zwischen „Kopf“ und „Herz“. Die gerade unter spirituellen Menschen oft so beliebte Polarisierung ist künstlich und sachlich
falsch. Das zeigt sich schon darin, dass, wie bei Karl Theodor Wiek im Juniheft des Lichtfokus nachzulesen ist, 60 Prozent der Herzzellen Neuronen
sind. Auch entlang der Verdauungsorgane hat die Wissenschaft schon vor längerer Zeit neuronale Formationen entdeckt, also Nervenzellen, die den Hirnzellen gleich sind. Das war eine richtige Sensation und ging durch die Presse. Man kann also sagen: Auch das Herz „denkt“, und der Bauch „denkt“. Es gibt im Übrigen nicht nur den IQ, den Intelligenzquotienten, sondern auch den EQ, eine emotionale Intelligenz.

Es geht vielmehr darum, die Potenziale von Kopf, Herz und Bauch zu integrieren, miteinander zu vernetzen. Es ist jetzt die Zeit, falsche Gegensätze aufzuheben und vor allem: mit Dankbarkeit und Begeisterung unsere Körperlichkeit von den Zehenspitzen bis zur Schädeldecke zu preisen als ein universales Feld, unsere Göttlichkeit zu realisieren. Es ist ja doch, mit Verlaub gesagt, etwas verschroben, im Ernst annehmen zu wollen, die Gottheit habe den Menschen mit einer Hirnhälfte erschaffen, die Makulatur ist und speziell LichtarbeiterInnen zu Behinderten macht, weil man mit so etwas wie einem „Verstand“ nur zur Erleuchtung kommen kann, wenn man selbigen lahm legt.

Das Gehirn im Alter – wird dies überhaupt die erfolgreichste Art werden, den Alterungsprozess aufzuhalten und auch spät noch ungeahnte Potenziale zu entdecken, den Ort unseres Bewusstseins mit Bewusstheit zu erfüllen?

Sprechen Sie auf jeden Fall öfter mit Ihrem Gehirn!

Mir fällt gerade noch der amerikanische Student ein, der eine überdurchschnittliche Intelligenz, aber nur Teile eines Cortex besaß, wie sich zufällig bei einer Untersuchung herausstellte. Frage für Rätselfreunde: Was lässt sich daraus folgern?


Literatur

(1) Peter Gruss (Hrsg.): Die Zukunft des Alterns. Die Antwort der Wissenschaft.

(2) Jean Houston: Der mögliche Mensch. Handbuch zur Entwicklung des menschlichen Potenzials.

(3) Robert Masters und Jean Houston: Phantasiereisen. Zu neuen Stufen des Bewusstseins. Ein Führer durch unsere inneren Räume.


 
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